Clay-DNA

Auf der Suche nach dem "geologischen Fingerabdruck des Tones"

Mithilfe einer Wärmekamera wurden die Temperaturverhältnisse an verschiedenen Stellen des Ofens aufgezeichnet und später am Computer ausgewertet. Sie können Aufschluss über Aussehen und Qualität der darin entstandenen Tonware geben.

Im Sommer des Jahres 2010 wurde in Fredelsloh ein wissenschaftlich bestens dokumentierter Forschungsbrand im Nachbau eines Ofens aus der Zeit des 13. Jahrhunderts durchgeführt. Da bereits zuvor einige Brände erfolgten, war bereits ein überaus wichtiger Befund klar: "Bei einem Brand wird in demselben Ofen in den verschiedenen, vom Feuer erreichten Bereichen, mit dem gleichen Ton verschiedene Ware hergestellt!" Je nachdem, wie die Keramik im Feuer steht, entsteht im gleichen Ofen "Steinzeug" (im vorderen Bereich des Ofens), sogenanntes "Protosteinzeug" (nicht voll befeuerte Ware, etwa in der hinteren Mitte des Ofens) und "Irdenware" (im hinteren Bereich des Ofens).

Johannes Klett-Drechsel mit Gästen aus China und dem Rheinland, die ebenfalls an einem Keramik-Mess-Projekt arbeiten. Bild links: Blick in die Brennkammer.

Es ist ein Spiel mit den Temperaturen, das es in der Zukunft noch genauer zu analysieren gilt. Dennoch, bereits im Jahr 2000 und auch vorher wurde seitens des Plesse-Teams nach den Bränden mit Töpfermeister Ion Stepan die Vermutung geäußert, dass die Temperaturverhältnisse im Ofen entscheidend für das Aussehen und für die Qualität des Ware verantwortlich sind. Nachzulesen im Begleitband zur Ausstellung "Ein Feste Burg"! Da spielt das Wetter eine Rolle, die Beschaffenheit des Feuerungsmaterials, usw., eine "Wissenschaft für sich". Die hier gezeigten Bilder dokumentieren einen Teil unserer Arbeit vor Ort, an der viele Personen beteiligt waren. Noch einmal der Dank an Alle. Besonders an den Töpfermeister Johannes Klett-Drechsel und an die Mitarbeiter der Technischen Universität Clausthal, ohne deren Bereitschaft, sich auf dieses Projekt einzulassen, wir "ein großes Stück weniger" vorangekommen wären!

In der Erweiterung: Glas-DNA?

Der Vergleich eines auf der Burg ausgegrabenen und restaurierten Glasgefäßes, dessen Abwurfzeit durch eine Münze (geprägt 1634) und eine Schüssel (datiert 1641) gut belegt werden kann, erbrachte mehrere, aus augenscheinlich sehr ähnlicher Glasmasse, hergestellte Gläser. Dabei ist die Fundlage recht weit gestreut. Das hier abgebildete, um 1600 in Diamantschnitt verzierte Glas, befindet sich seit etwa 1550 in Amsterdam (heute Rijksmuseum), ein weiteres Glas wurde in Utrecht ausgegraben, zwei befinden sich – wohlerhalten - in Frankfurt/Main. Es soll nun versucht werden, die Gläser zu einer völlig zerstörungsfreien Bemessung im Nuklear-Forschungszentrum-München/Grünwald zusammenzuführen, um mit der hier zur Verfügung stehenden Technik, "die mögliche Herkunft der Gläser aus dem gleichen Glashaven" zu ermitteln. Als möglicher Verhandlungsort dieser sehr markanten Gefäße wäre eventuell die "Frankfurter Messe um 1550" anzunehmen. Wir werden über den Fortgang des Projektes berichten.