Digitalisierung

Einblicke in die virtuelle Rekonstruktion

Fotorealistisch gerendertes CAD-Modell des Eingangsbereichs im Untersuchungsabschnitt V (UAV).

Bereits 1992 war Rainer Kleinschmidt als Mitglied des Plesse-Teams für die virtuelle Rekonstruktion verschiedener Teile des Baubestandes der Burg eingesetzt. Aus dieser Zeit stammen die ersten 3D-Ansichten von Bauteilen, die sich heute zusammengefasst im Baukörper "Älterer Herrenbau" befinden. Krankheitsbedingt musste Herr Kleinschmidt leider bereits nach einem Jahr ausscheiden, danach konnte das Projekt für lange Zeit nicht weiter verfolgt werden. 2010 wurde Philipp Matschoß als neuer Sachbearbeiter für die 3D-Rekonstruktion gewonnen. Herr Matschoß ist ausgebildeter Steinmetz und hat sich als Autodidakt ein weit gespanntes Wissen zur Computeranimation erarbeitet.

In enger Zusammenarbeit mit Thomas Moritz wurden die Messtischblätter 1:500 und 1:1000 (erstellt 1977 und 1991) von der Plesse digitalisiert und vektorisiert. Eine schwierige und langwierige Arbeit, da die im Abstand von 1 Meter aufgenommenen Höhenlinien (Isohypsen) manuell nachgefahren werden mussten. Eine "Knochenarbeit"! Doch, nun ist es geschafft und die Ergebnisse sind großartig. Gräben und Wälle, Wege, zur und um die Burg, eine Vorburg und weitere verteidigungstechnische Elemente erscheinen nun in einer wahrlich neuen Sicht. Die im Jahr 2000 veröffentlichte Karte der näheren Umgebung der Plesse zeigt den Unterschied zwischen 2D und 3D. Nur das geübte Auge erkennt auf der 2D-Karte, anhand der Isohypsen-Linien, die im Gelände vorhandenen Anlagen. Durch die 3D-Bearbeitung am Computer bekommen die Bodenbefunde eine plastische Dimension. Die Wälle erheben sich in Sinne des Wortes, die Gräben vertiefen sich, die Verteidigungslandschaft um die Burg bekommt ein haptisches Aussehen.

In einem weiteren Schritt werden auf dem Plan von 1977, die 1986 von Mitarbeitern der Technischen Hochschule Hannover angefertigten, photogrammetrischen Aufnahmen des Mauerwerks eingearbeitet. Es entsteht der „Ist-Plan“ der die Anlage vor den großen Restaurierungen der Jahre 1989 bis 1995 zeigt. In Korrelation mit dem „Plan 1991“ - und nach der Einarbeitung der in den letzten 30 Jahren erhobenen archäologisch/baugeschichtlichen Befunde, sowie der Auswertung relevanter Schriftquellen, wird es möglich sein, eine weitreichend detaillierte Abfolge von einzelnen Ausbau-Phasen des Plesse-Areals zu erarbeiten. Mit der "zunehmenden Schriftlichkeit" wird es möglich sein, auch Innenräume, zum Teil sehr genau, computertechnisch zu Animieren. Als erstes Bauwerk der Burg soll in den kommenden Monaten das Ältere Herrenhaus (UA V) bearbeitet werden. Hier reichen die archäologisch festgestellten Befunde zurück bis in die Ältere Vorrömische Eisenzeit ("Hallstadt D"). Nach einer langen Ruhephase wurde im 11./12. Jahrhundert wieder gebaut. Dann entstanden hier in der Zeit um 1200 zwei zusammenhängende Steinbauten, die auch heute noch einen großen Teil der Bausubstanz des Gebäudes ausmachen. Im 16. Jahrhundert wurde die heutige Fassade vorgeblendet. Schriftliche Inventare von 1571 und 1629 liegen vor. 1660 wurde die Burg verlassen, die Zeit des Verfalls begann. Zwischen 1853 und 1862 wurde die erste große Restaurierung der Gesamtanlage durchgeführt, der Ende des 20. Jahrhunderts eine zweite Restaurierungsphase folgte.

Das Erlebnis der virtutellen Burg

Einige Eindrücke der 3D-Visualisierungen der Burg Plesse